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Samstag04 Dezember 2021

Persönliches Wachstum

Einzelerlebnisse und Weltanschauung - Vorschulkind

Die Weltanschauung des Vorschulkindes divergiert bedeutend von dem Weltbegreifen des Erwachsenen. Das Kind hat einen kleinen Übungsschatz und mag noch nicht folgerichtig denken. Als alleinigen Verbindungspunkt hat es sich selbst, seine Wünsche, Emotionen und Erfahrungen;

die Dinge aus Entfernung sehen, sie vorurteilsfrei erfassen, kann es noch nicht. Mithin nimmt es an, daß ebendiese mit denselben Merkmalen und Tauglichkeiten versehen sind wie es selbst (Egozentrismus).

Die leblose Welt wird anthropomorphisiert, sie ist nichts vom Menschen Abgekoppeltes. Anstoß und Reaktion mögen in ihrer Korrelation noch keineswegs gesehen werden (mangelndes Ursachenempfinden). Auf die Frage 'warum?' gibt es für das kleine Kind nur die Durchführung einer Perspektive (Finalismus). Alles hat seine gänzlich bestimmte Aufgabe in der Weltanschauung des Kindes.

Das Denken des Kindes ist magisch. Naturphänomene werden aufgrund geheimer Kräfte und höherer Mächte ausgelöst. Folglich entsteht eine Weltauffassung glaubend an die transzendenten Gestalten der Kinderstube und der Märchengeschichten.

Das Denken ist auch prälogisch und rezeptionsabhängig. Es kann keinesfalls hergeleitet und generalisiert, und ein Hergang mag nicht als invertierbar vorgestellt, werden. Das Bewusstsein für Veränderungen fehlt vielmals bzw. die Einschätzung von Dynamiken ist ausschließlich an die Perzeption gebunden.

Egozentrismus und Anthropomorphismus bewirken eine starke emotionale Besetzung der Umgebung. Affirmative und ungünstige Emotionen und Erlebnisse vereinen sich mit Personen, Gegenständen und Orten, welche allein zufälligen Verknüpfung mit den Vorkommnissen haben (physiognomische Auffassung der Umgebung).

Gefühlsmäßige Konditionierungen in diesem Lebensalter mögen die Grundsätzliche Einstellung des Kindes zu seiner Umgebung gravierend beeinflussen.

Der Gipfelpunkt der kleinkindhaften Weltauffassung fällt ins 4. Altersjahr und wird dann schrittweise abgebaut. Der entscheidende Abschnitt zur Reduzierung der magischen Weltauffassung ist die Entdeckung der Kondition der Eigenbewegung alles Lebendigen.

Unbelebten Dingen werden nunmehr keine menschlichen Eigenarten mehr zugeschrieben, das Denken wird unentwegt realistischer. Circa Ende der Vorschulzeit beginnen sich Erfahrung und Denken miteinander zu koinzidieren und die Generalisierung von Einzelerlebnissen wird realisierbar.