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Sonntag16 Januar 2022

Leadership Skills

Vorschulkinder: Denken prälogisch und wahrnehmungsgebunden

Die Weltanschauung des Vorschulkindes divergiert bedeutsam von dem Weltverständnis des Erwachsenen. Das Kind hat einen kleinen Erlebnisschatz und kann bislang nicht folgerichtig denken. Als einzigen Verknüpfungspunkt hat es sich selbst, seine Wünsche, Gefühle und Erlebnisse; die Dinge aus Distanz sehen, sie unbefangen begreifen,

kann es noch nicht. Also nimmt es an, daß ebendiese mit denselben Eigenheiten und Fähigkeiten ausgestattet sind wie es selbst (Egozentrismus).

Die leblose Welt wird anthropomorphisiert, sie ist nichts vom Menschen Unabhängiges. Hintergrund und Auswirkung mögen in ihrer Korrelation bislang keinesfalls gesehen werden (ausbleibendes Kausalempfinden). Auf die Anfrage 'warum?' gibt es für das kleine Kind allein die Vollziehung einer Aufgabe (Finalismus). Alles hat seine durchweg bestimmte Perspektive in der Weltauffassung des Kindes. Das Denken des Kindes ist transzendent. Ereignisse werden infolge geheimer Kräfte und höherer Mächte hervorgerufen. Mithin entsteht eine Weltauffassung glaubend an die magischen Gestalten der Kinderstube und der Märchengeschichten.

Das Denken ist ebenso prälogisch und wahrnehmungsgebunden. Es kann nicht abstrahiert und verallgemeinert, und ein Verlauf mag nicht als invertierbar vorgestellt, werden. Das Bewusstsein für Wandlungen fehlt vielmals bzw. die Einschätzung von Modifikationen ist alleinig an die Perzeption gebunden. Egozentrismus und Anthropomorphismus initiieren eine starke gefühlsmäßige Besetzung der Umwelt. Affirmative und ungünstige Emotionen und Erfahrungen kombinieren sich mit Personen, Dingen und Orten, die lediglich zufälligen Verknüpfung mit den Vorkommnissen haben (physiognomische Auffassung der Umgebung). Emotionale Konditionierungen in diesem Alter mögen die Grundhaltung des Kindes zu seiner Umgebung ausschlaggebend verändern.

Der Kulminationspunkt der kleinkindhaften Weltauffassung fällt ins 4. Lebensjahr und wird dann allmählich abgebaut. Der bedeutende Abschnitt zur Degression der magischen Weltanschauung ist die Entdeckung der Grundlage der Eigenbewegung alles Lebendigen. Unbelebten Dingen werden unterdies keine menschlichen Kennzeichen mehr zugeschrieben, das Denken wird ständig wirklichkeitsnäher. Ungefähr Ende der Vorschulzeit beginnen sich Übung und Denken gemeinsam zu koinzidieren und die Generalisierung von Einzelerfahrungen wird möglich.