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Sonntag16 Januar 2022

Leadership Skills

Vorpubertät: geschlechtlichen Distinktion

Beginn und Dauer der Vorpubertät sind angesichts der physischen Fortentwicklung anschaulich. Als Vorpubertät benennt man die Zeit zwischen dem ersten Zum Vorschein Kommen der sekundären Geschlechtskennzeichen (Behaarung, Stimmbruch und so weiter) und dem ersten Funktionieren der Geschlechtsorgane (erste Menses beim Mädchen,  erste Ejakulation beim Jungen).

Samt der geschlechtlichen Distinktion ereignet sich im Regelfall ein abrupt eintretender Entfaltungsschub. Die Dynamik von Jungen und Mädchen gestaltet sich

vom von der Aktivierung der Adoleszenz an verschiedenartig. Im somatischen Bereich liegt der Schwerpunkt bei den Jungen in der Entfaltung der Muskulatur und der Grobmotorik, bei den Mädchen in der Fettpolsterung (runde Gestalt) und der Feinbeweglichkeit, und die Längen entfaltung beginnt bei den Mädchen früher als bei den Jungen.

Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts verläuft die Evolution der Kinder (bei weitem nicht erst zum In-Kraft-Treten der Pubertät, daselbst jedoch am merklichsten wahrnehmbar) akzeleriert ab, sog. Beschleunigungserscheinung: Die Kinder werden immer größer und deren Adoleszenz setzt früher ein. Das Ausmaß der Beschleunigung steht in einem festen Bezug mit der Besiedlungsform (Stadtkinder gestalten sich deutlich zügiger als Nachwuchs in ruralen Verhältnissen); minder entscheidend denn einst ist nunmehr die soziale Klassenzugehörigkeit.

Die Auslösern der Akzeleration dürften mannigfaltig sein, Vorderhand stehen: Stärkere Aktivierung des Gesamtlebewesens hinsichtlich erhöhter Stimuluszufuhr in der heutigen Industriegesellschaft (Großstädte mit facettenreichen Impressionsmöglichkeiten, Massenmedien und so weiter) wie auch gesundheitsförderliche Veränderungen (bessere Ernährung, bessere Hygiene usw.). Die Akzeleration ist vorrangig ein somatisches Phänomen — Denkvermögen und Persönlichkeit gestalten sich keineswegs in derselben beschleunigenten Weise. Die einzige Ausnahme ist die akzelerierte Sprachentfaltung bei Mädchen der Mittel- und Oberklasse zum Abschluss der Vorpubertät (ein Symptom der weiblichen Kulturpubertät).