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Sonntag16 Januar 2022

Leadership Skills

Eine der Aufgaben ist die Ich-findung (Adoleszenz)

So verständlich die somatischen Dynamiken in der Adoleszenz sind (hormonal gesteuerte Prägnanz der männlichen und fraulichen Figur und des Geschlechtscharakters, definitives Längenentfaltung), im essenziellen ist die Pubertät in unserer Kultur ein bioseelisches und soziologisches Erscheinungsbild: Die Reiberei mit den Funktionalitäten des Erwachsenseins sind vordergründig, der Jugendliche ist veranlasst sich aus den Interdependenzen des

Kindseins befreien und in allen entscheidenden Lebensbereichen eigenverantwortlich und selbstverantwortlich werden.

In dieser Begebenheit des Wandels sind Konflikte, vorrangig Rollen- und Statuskonflikte, unabwendbar. Die Adoleszenz dauert in unserer Zivilisation beachtlich lang. Je verschachtelter die Anforderungen einer Volksgruppe sind, umso mehr braucht es, bis man zu einem ebenbürtigen Mitglied geworden ist; in primitiven Kulturen gibt es eine Adoleszenz in unserem Sinngehalt keinesfalls. Jeder Adoleszent muss sich in der Adoleszenz mit determinierten Aufgaben auseinandersetzen (so benannte epochal separate Aufgaben).

Eine der Aufgaben ist die Ich-findung. Notwendigkeit zu diesem Zweck ist die erst in diesem Alter ausführbare Selbstreflexion, das Nachsinnen über sich selbst. Somit wird im Übrigen das Toleranz für fremdseelische Handlungsschemata ausführbar. In der Schriftwerk werden dieser Tage differenziertere Persönlichkeitsdarstellungen benötigt, und weiters der Sinn für Umwelt und Kunst erwacht. Die Selbst-findung beginnt bei der grundlegenden Analyse des eigenen Äußeren (Identifizierung mit den Maßstäben der Peer-Gruppe, Nachahmung von erfolgreichen Individuen) und verlagert sich anschließend zusehends auf Kompetenzen, Eigenschaften und inwendige Qualitäten. Idole (lebende oder historische Personen oder Titelpersonen der Literatur) sind bei der Ichfindung von Bedeutung.

Bemerkenswert ist, dass die Selektion der Leitbilder schichtbedingt ist: Adoleszente der Unterschicht wählen eher prestigevolle AthletInnen und AkteurInnen zum Vorbild. Sie orientieren sich dabei an deren Triumph und an deren äussere Aussehen. Adoleszente der Mittel- und Oberklasse statuieren zum Vorbild eher Wissenschaftler und engagierte Politiker, wobei sie den Charakter und die private Mentalität außergewöhnlich gutheißen. Mit steigendem Alter und sukzessiver Selbstprofilierung verringert sich die Wichtigkeit der Leitbilder. Die Maßgeblichkeit der Eltern als Idoler ist nicht offensichtlich, sie scheint jedoch extrem ansehnlich zu sein.